Zehn Motivationsgeheimnisse für Eltern

Vorweg - hier geht es um den Musikunterricht deines Kindes. Natürlich können diese Motivationsgeheimnisse für Eltern auch beim schulischen Lernen etwas nützen, sie beziehen sich aber in erster Linie auf das musikalische Lernen.

 

Mit der Motivation von Kindern ist das so eine Sache: Heute Feuer und Flamme ("Ich WILL dieses Instrument lernen! Dieses und kein anderes!") kann es ein paar Wochen später leicht einmal ein Motivationstief geben. "Können wir die Geige nicht auf eBay verkaufen und die Noten gleich dazu!?"

 

Jetzt nur nicht klein beigeben, denn das Kind hat sich schließlich mit der Entscheidung für ein Musikinstrument ein geniales Hobby ausgesucht, was mit seinen vielen positiven Nebeneffekten nicht nur so umfassend fördert wie kaum etwas anderes sondern auch völlig neue Horizonte eröffnet. 

 

 

Beim Musizieren lernt das Kind neben dem Spielen des Instruments

 

1. Frustrationstoleranz, Geduld, Ruhe: An einer Sache dran bleiben und aus einer holprig gespielten Reihe von Tönen mit viel Geduld ein berührendes Musikstück zu machen.

 

2. Belohnung ohne Worte oder materielle Dinge: Beim Musizieren ist die beste Belohnung, dass es toll klingt! Dagegen sehen alle anderen Bestechungen (Spielzeug, Aufkleber...) blass aus!

 

3. Beschäftigung mit den Gefühlen anderer = Empathieförderung: Musik drückt Gefühle und Gedanken des Komponisten aus. Beim Erarbeiten eines Stücks kommt man diesen auf die Spur und lernt sie verstehen. 

 

4. Körperkontrolle: Wer ein Instrument beherrschen will, muss eine gute Kontrolle über seinen Körper haben. Kinder erfahren die Sensibilität für fein- und grobmotorische Abläufe.

 

5. Sich selbst vergessen können = Entspannung: Wer selbst ein Instrument spielt, wird die Erfahrung sicher schon gemacht haben, wie schön es sein kann, sich selbst beim Musizieren völlig zu vergessen und den entstehenden Klängen hinzugeben.

 

Gute Sache also! Ein Instrument zu erlernen lohnt sich auch, wenn kein zweiter Mozart im eigenen Kind schlummert - obwohl mit ein wenig elterlicher Unterstützung viel mehr Mozart in den Kindern schlummert als wir auf den ersten Blick glauben. 

 

Also wie bekomme ich nun die Motivation zurück in mein Kind?

 

 

Nachdem ich hier einige Übetipps vorgestellt hatte und zusätzlich jedem den praktischen Ratgeber "Jedes Kind ist musikalisch" ans Herz lege, nun zu den zehn Motivationsgeheimnissen für Eltern. Oder: "Was tun wenn das Kind mal nicht so tut..."

 

 

1. Interesse am Spiel des Kindes zeigen: Zuhören, sich die Noten zeigen lassen, sich das Lieblingsstück des Kindes vorspielen lassen.

 

2. Verständnis für die Unlust aufbringen: Hand aufs Herz - wir haben ja auch nicht immer zu allem richtig große Lust! Warum sollte es unseren Kindern anders gehen. Kinder können meist sehr genau benennen, warum sie keine Lust haben. Meistens gefällt ihnen das zu spielende Stück nicht oder es steht vor einem technischen Problem, was es (noch) nicht lösen kann. 

 

3. Ans Üben erinnern: Wer als Anfänger zwei Mal täglich 10 Minuten auf seinem Instrument übt, wird schnell besser! Dann macht das Musizieren auch wieder viel mehr Freude, die Motivation kehrt zurück. Also am besten mit dem Kind schon bei Abschluss des Unterrichtsvertrags einen Deal schließen: 2x 10 Minuten täglich sind ohne Diskussion am Instrument zu verbringen. Spezial-Tipp: Eine schöne Eieruhr kaufen. Wir haben eine rückwärtslaufende von Paradox. Alternativ kann man prima mit Übelisten arbeiten. (Anleitung in "Jedes Kind ist musikalisch", Ausdruck von der beigefügten Download-CD-ROM).

 

 

4. Selbst musizieren oder klassische Musik hören: Das ist heute eigentlich so einfach wie nie, wenn selbst die Berliner Philharmoniker auf Knopfdruck mit ihren Konzerten ins heimische Wohnzimmer kommen. Und doch ist es so schwer, weil es so viele Ablenkungen gibt, besonders durch die digitalen Medien, die uns eigentlich nur das Leben schöner machen wollen... Also ran an die Kiste und nach coolen Konzerten stöbern, das alte Instrument entstauben und loslegen oder auch einmal ein Live-Konzert besuchen. Denn warum sollte dein Kind etwas tun, was es von dir selbst nie sieht? Kinder machen einem einfach alles nach - im Guten wie im Schlechten. Nutze diese Erkenntnis aus!

 

5. Die Möhre vor der Nase: Es spricht nichts dagegen, hin und wieder einen kleinen Köder einzusetzen! Wenn du mehr als 20 Minuten geübt hast, bekommst du die zusätzliche Zeit eins zu eins als iPad/Fenseh-Zeit gutgeschrieben. Funktioniert natürlich nur, falls die Kids in eurem Haushalt nicht iPad-all-inclusive haben...

 

 

6. Nicht sparen bei gutem Unterricht: Gute Lehrer sind in der Regel auch gut gebucht, müssen also ihre Kunst nicht zu Dumpingpreisen anbieten. Generell ist ein Musikstudium eine gute Voraussetzung, um Kindern ein Musikinstrument beizubringen. Die Preise differieren von Region zu Region durchaus stark. Also am besten den ortsüblichen Tarif in Erfahrung bringen und sich in etwa daran orientieren. Klar braucht man zum erfolgreichen Lernen mehr als nur einen guten Lehrer (nämlich auch den ehrgeizigen Schüler und ein musikfreundliches Umfeld - also die Eltern), aber der Schlüssel zum Erfolg ist nun einmal ein Pädagoge, der neben der Kunst des Musizierens ein Händchen für Schüler hat!

 

7. Nicht sparen bei gutem Unterrichtsmaterial: Nichts ist demotivierender als ein Stapel zerknickter Kopien! Wo wir Eltern oder Lehrer schon kaum etwas wiederfinden (ich denke mit Schrecken an die nächste Steuererklärung!!!) sind Kinder einfach nicht in der Lage sich zu orientieren. Also - auch wenn es auf den ersten Blick teurer anmutet: Kauft Noten, Instrumentalschulen, Spielhefte, Duettbücher und etwas für Weihnachten. Gut behandelt und nur mit Bleistift beschrieben, lassen sich diese gebraucht auch noch gut verkaufen. Gutes Notenmaterial ist ein Schlüssel zu erfolgreichem und motiviertem Lernen!

 

8. Das Instrument zum Erfolg: Aldi, Lidl & Co führen heute schon qualitativ gute Musikinstrumente. Ob diese für euren Zweck oder den Zweck eures Kindes geeignet sind, kann nur euer Instrumentallehrer entscheiden. Denn auch beim Musikinstrument lohnt sich die Einstellung "Geiz ist geil" in der Regel nicht! Wenn man knapp bei Kasse ist, kann sich ein Leihinstrument oder Mietkauf lohnen, manche Omi ist dankbar wenn sie ihr Klavier in liebevolle Hände abgeben kann und viele Musikvereine verleihen gratis oder gegen eine geringe Gebühr - natürlich mit dem Hintergedanken, dass euer Kind irgendwann einmal dort mitspielt... klar! 

 

9. Vorspielmöglichkeiten suchen: Klar ist das eigentlich die Aufgabe der Lehrkraft, doch auch als Eltern kann man motivierende Kurzfrist-Ziele für die Kinder finden. Ob das nun ein Geburtstags-Ständchen ist oder ein Lied bei der Schulaufführung, im Gottesdienst oder Straßenmusik ist! Egal! Vorspiele sind tolle Ziele! Und Motivation entsteht durch Ziele! Auch kann man immer wieder schöne Stücke filmen oder mit dem Handy mitschneiden und damit die Fortschritte des Kindes dokumentieren. Wer bei einem Motivationstief des Kindes einmal gemeinsam in alten Aufnahmen stöbert, kann sicher gemeinsam lachen und sich vom Kind anschliessend bedeutend bessere Versionen vieler Musikstücke vorspielen lassen.

 

10. Guter Kontakt zur Lehrkraft: Für eine Lehrkraft ist es hilfreich zu wissen, was dem Kind Spaß macht und was nicht. Also bitte nicht zögern, wenn "Hänschen Klein" nicht der Tophit des Jahres ist oder das Kind statt Beethoven einfach einmal eine Runde Popmusik braucht. Eine Lehrkraft hat meist noch ein paar gute Ratschläge im Gepäck, wie das Kind schnell Fortschritte machen kann und worauf wir Eltern achten können. 

 

Und wenn alles nicht hilft: Lasst auch mal Fünfe gerade sein! Besser das Kind bleibt dran am Instrument und übt eben weniger oder gar nicht, als dass Ärger und schlechte Laune das Familienleben negativ beeinflussen. 

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