10 Tipps für musikalische Weihnachten

Natürlich ist es noch nicht einmal Ende Oktober, aber wir Musikpädagogen planen natürlich schon  für die "Weihnachtssaison". Das ist erfahrungsgemäß die Zeit im Jahr, wo Schülerinnen und Schüler am fleißigsten daheim musizieren. 

 

DIE MACHT DER WEIHNACHTSLIEDER

Schon manches Jahr habe ich mich gefragt, warum das eigentlich so ist? Warum kommen Weihnachtslieder so gut an? Weil das UMFELD der Schüler dazu beiträgt:

Die Eltern singen (zumindest an Heiligabend unterm Tannenbaum!), die Lieder sind im Alltag präsent und die Musik sorgt für eine wunderbare Stimmung! 

 

Hier liegt übrigens auch der Knackpunkt fürs Üben in den Monaten, in denen der Musikpädagoge keine Weihnachtslieder als Hausaufgabe aufgibt:

  • Versucht die Musik eures Kindes in den Alltag zu integrieren!
  • Singt mit ihnen die Lieder aus der Instrumentalschule.
  • Lasst Play-Along CDs aus den Noten laufen.
  • Geht auf Suche nach Musik, in der das Instrument eurer Kinder eine Hauptrolle spielt! 
  • Schafft im Alltag Situationen, wo das Kind mit seiner Musik eine schöne Stimmung zaubern kann. (Sonntagskonzert! Darauf komme ich in einem späteren BlogBar-Eintrag zurück!)

NOTENHEFT VERSUS KOPIE - WAS SICH AUF DAUER MEHR LOHNT

Ich weiß dass für viele Familien Notenhefte als "überflüssige Anschaffung" gelten. Vorurteil hier: Sie sind teuer und man könnte genau so gut aus Kopien spielen!

Wie ich dazu stehe, wissen diejenigen sicher, die hier seit längerem mitlesen: 

  • Kein Kind hat Lust, aus einem unordentlichen Stapel seine Hausaufgaben herauszusuchen. Daher wird es wahrscheinlich deutlich seltener üben als mit einem liebevoll gemachten Notenheft.
  • Mit CD Kopien verhält es sich nicht anders. In Originalnoten gibt es eine eingeklebte Tasche für die Tonträger, "Kopien-Kinder" können dann mal auf Suche gehen, wo genau ihre gebrannte Ware gerade herumfliegt, während "Original-Kinder" schon ihre Musik hören. 
  • Ein Notenheft regt an, darin zu stöbern und auf Entdeckungsreise zu gehen. Selbst wer ganze Notenhefte kopiert und sauber einheftet, suggeriert den Kindern damit, dass ihr Hobby es nicht wert ist, ein richtiges Notenheft zu kaufen. Wie sich das auf die Motivation auswirkt, kann sich jeder selbst ausmalen.
  • Meine ehemaligen Schüler berichten beim Wiedersehen mit mir häufig folgendes: "Wenn ich meine Eltern besuche, spiele ich gern nochmal Klavier. Meistens klimpere ich mich durch das Heft mit dem Krokodil drauf oder das Weihnachtsliederheft mit den schönen Bildern!".... Soso! Noch nie hat jemand gesagt: "Die Kopie von dem Stück Soundso spiele ich jedes Mal!"
  • Mit Notenkopien begeht ihr in den meisten Fällen eine "Urheberrechtsverletzung". Und diese ist strafbar. Aber das interessiert ja nicht...

Den Eltern meiner Musikschüler kann ich also schnell erklären, warum sich die Anschaffung von wirklich guten Notenheften immer lohnt!

 

DIE MAGIE DER MUSIK

Neulich berichtete eine Bekannte: "Wenn ich ein Weihnachtslied höre, erinnere ich mich immer sofort an die besondere Vorfreude aus meiner Kindheit! Bilder und Erinnerungen an die schönen Adventstage bei meiner Großmutter tauchen auf, wie wir dort gemeinsam gesessen, erzählt und gesungen haben!"

Ganz klar: Musik weckt in uns Gefühle, ist mit Erinnerungen verbunden. Schenkt auch euren Kinder die Möglichkeit hierzu!

 

10 TIPPS FÜR MUSIKALISCHE WEIHNACHTEN

Wenn ihr die Advents- und Weihnachtszeit in diesem Jahr nutzen möchtet, um lieb gewonnene Traditionen zu pflegen, dem Kekse-Backtag die ganz besondere Stimmung verleihen möchtet und vielleicht statt vieler materieller Dinge euch Zeit - das Wertvollste überhaupt - schenken möchtet, versucht es mit folgenden Tipps:

 

  1. Nutzt die Wochen vor dem ersten Advent, um auf Suche nach wirklich schönen Advents- und Weihnachtslieder CDs zu gehen.
  2. Natürlich kommt man möglicherweise auch bei "Last Christmas" und "Rudolph the red-nosed reindeer" in Stimmung, aber wie wäre es zur Abwechslung mit klassischen Weihnachtsliedern aus unserem kulturellen Erbe? Die Melodien von "Oh du fröhliche", "Macht hoch die Tür" & Co sind allseits bekannt - warum schon vor Ende der ersten Strophe auf lalala wechseln, weil der Text nicht mehr präsent ist!?
  3. Wer in der Weihnachtszeit in eine Theatervorstellung oder ein Kinderkonzert gehen möchte, tut gut daran, jetzt schon auf Suche nach einer passenden Veranstaltung zu gehen. Denn derzeit bekommt ihr wahrscheinlich noch gute Plätze angeboten und die schönsten Stücke sind noch nicht ausverkauft!
  4. Euer Nachwuchs besucht den Instrumentalunterricht? Sprecht mit der Lehrkraft, ob ihr in den Wochen vor Weihnachten einige Male mit in den Unterricht kommen dürft und dort gemeinsam Advents- und Weihnachtslieder singt und spielt.
  5. Wer selbst in der Kindheit ein Instrument gespielt hat und dieses (aus welchen Gründen auch immer) nun nicht mehr tut, kann die Gelegenheit nutzen, sich für diese paar Wochen im Jahr wieder daran zu wagen. Musikinstrumente lassen sich auch mieten (beim Musikalienhändler nachfragen) oder ausleihen.
  6. Wer kein Instrument gespielt hat, aber dieses unbedingt schnell können möchte, kann es mit JelGi ("Jeder lernt Gitarre", einem neuen Lernsystem) versuchen. Bundesweit werden kostenfreie Kurse angeboten.
  7. Notentipps erhaltet ihr bei eurem Musikpädagogen oder dem Musikalienhändler vor Ort. Bei letzterem kann man in verschiedene Notenhefte reinschauen und sich für den eigenen musikalischen Background mit passgenauen Noten versorgen. Wer musikalisch nicht so geübt ist, sollte darauf achten, Noten mit Play-Along-CD zu kaufen. So macht das Singen und Musizieren gleich mehr Freude, weil es schön klingt, selbst wenn man mal den Faden verliert oder den Text vergisst!
  8. Auch wenn es auf euer Kind / eure Kinder zunächst etwas befremdlich wirkt, dass Mama oder Papa auf einmal singen und musizieren wollen: Schon nach wenigen Tagen werdet ihr nicht mehr schief angesehen, sondern die Kids machen gerne und freiwillig mit! Anfangs gehört vielleicht noch etwas Überredungskunst dazu!
  9. Findet eine "Familien-Musikzeit": Ein Lied vor dem Abendessen, ein paar danach war bei uns immer eine gute Lösung. Bekannte musizieren immer 20 Minuten vor der Lieblings-TV-Serie der Kids, eine Freundin verlängert die WLAN-Zeit der Kinder um genau die Minuten, die ihre Kids gesungen und musiziert haben.
  10. In der Advents- und Weihnachtszeit gibt es viele Projektchöre. Wie wäre es beispielsweise mit einem Familienchor, der sich in dieser Zeit ein paar Mal trifft und probt, um am Ende vielleicht eine kleine Aufführung im kleinen Rahmen zu veranstalten? Falls es so etwas in eurer Region nicht gibt: Bei der Musikschule oder dem Kirchenmusiker anrufen und nachfragen. Vielleicht wird so etwas dann ja für das nächste Jahr geplant!

In meinem Ratgeber "Jedes Kind ist musikalisch" habe ich zudem den sogenannten ANALOGABEND beschrieben, der in den Zuschriften von Lesern immer sehr hervorgehoben wurde. Vielleicht ist auch das etwas für euch!

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Kommentare: 1
  • #1

    Elke (Sonntag, 22 Oktober 2017 21:04)

    So schöne Vorschläge! Ich lese Kind und Musik einfach gerne.