"Ich kann keine Noten lesen!"

Viele Menschen können keine Noten lesen. Ist ja auch nicht schlimm. Finde ich. Als Musikern, Musikpädagogin, aber auch ganz persönlich. 
Was ich allerdings schlimm finde, ist die Schlussfolgerung "Weil ich keine Noten lesen kann, bin ich unmusikalisch!". Denn das ist schon mal grundfalsch! 

 

Das wäre ja ungefähr so, als würde ich behaupten, meine Blumen gingen alle ein, weil ich nicht Biologie, Botanik oder Landschaftsgärtnerei studiert hätte oder zumindest Bio in der Schule mein schlechtestes Fach war! 

Noten sind ein Mittel zum Zweck: Nämlich dafür, Musik aufzuschreiben, damit man sie nicht vergisst (hat man in Vor-Handyzeiten noch deutlich öfter gebraucht als heute). Noten sind dafür da, Kompositionen zu verbreiten, die man nicht mittels digitaler Technik wie Videos oder Aufnahmen zugänglich machen kann oder will. 

Und dann ist es (ganz wie beim Lesen) natürlich auch ziemlich einfach, wenn man einfach so ein Notenheft aufschlagen kann und mal eben abspielt, was jemand dort notiert hat. Das macht Dinge übersichtlich!

 

Klar könnte man auch Dinge heraushören oder rein via Videoclips lernen, aber das wäre ja ungefähr so, als wollte man ein Lexikon als Hörbuch verabreichen. Es wäre ziemlich aufwendig, hier schnell etwas herauszusuchen.

 

Daher also Noten. Zudem kann man mit diversen Symbolen oder Angaben in den Noten musikalische Wünsche recht genau ausdrücken. Also zum Beispiel Lautstärken, Tempoänderungen, kleinere Betonungen, die Länge der einzelnen Töne und vieles mehr.

 

Kurz und gut: Noten haben sich durchgesetzt und auch wenn es neben unserem herkömmlichen Notensystem immer wieder Versuche geben wird, eine andere Notenschrift einzuführen, verwette ich den Inhalt meines Schuhschranks darauf, dass unser Notensystem auch in 100 Jahren noch zum Musizieren benutzt wird!

 

Wer nun genau gelesen hat, dem ist sicher nicht entgangen, dass es für Menschen, die keine Noten lesen können, genug Möglichkeiten gibt, sich Musik zu erschließen: 

  • Nach Gefühl spielen
  • Musikstück mittels Video-Tutorial lernen 
  • Bei jemandem abschauen
  • Eigene Notation finden
  • Heraushören, ausprobieren

Ich bin der festen Überzeugung, dass Musik allen Menschen etwas gibt! Nicht nur denjenigen, die Noten lesen können!

 

"Wie schwer ist es denn nun, Noten lesen zu lernen?", fragte mich meine hartnäckige Freundin nach meinem kleinen Vortrag. 

Mein Antwort: "Ungefähr genau so schwer, wie acht Vokabeln in einer fremden Sprache zu lernen." 

Denn mit acht Tönen kann man schon eine ganze Menge Musik machen! Und es ist doch ein phantastisches Gefühl, am Urlaubsort in der Landessprache Pizza und Bier bestellen zu können! Das macht Lust auf mehr! Mehr Vokabeln! Beispielsweise die für den Nachtisch oder die Telefonnummer des feschen Kellners. 

Ungefähr so ist es auch mit den Noten. Einmal angefangen willst du mehr! Garantiert!

 

Falls Ihr, liebe Leserinnen und Leser, den Wunsch nach einem Kurzinput "Notenlernen" auf diesem Blog habt, lasst es mich bitte wissen. Im Augenblick habe ich zwar alle Hände voll mit den Blattläusen auf meinen Rosen und dem Ficus zu tun, der wieder seine Blätter abwirft, aber meine Freundin ist studierte Landschaftsgärtnerin. Die weiß sicher Rat!

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Kommentare: 1
  • #1

    JungenMama2.0 (Mittwoch, 13 September 2017 18:34)

    Auf jeden Fall einen Workshop hier auf dem Blog zum Thema Noten. Oder etwas verlinken. Schöne Sammlung hier die täglich wächst! Danke